Open Secret

June 22 – August 11, 2018



Als der Komödiant und Schauspieler Aziz Ansari am 14. Januar 2018 von einer anonymen 23-jährigen Frau wegen sexueller Belästigung beschuldigt wurde, stieß der Report auf gemischte Reaktionen in den Medien und der Öffentlichkeit: Einige glaubten, Details des Berichts wiesen zu sehr auf ein Einvernehmen hin, als dass sie als ein Fehlverhalten interpretiert werden könnten. Die feministische Autorin Jessica Valenti twitterte: „Viele Männer werden diesen Artikel über Aziz Ansari lesen und darin eine alltägliche, akzeptable sexuelle Interaktion sehen. Aber ein Teil dessen, was Frauen gerade sagen, ist, dass das, was hier als ‚normale‘ sexuelle Begegnungen angesehen wird, für uns nicht funktioniert und oft Schaden zufügt.“ In ihrer zweiten Einzelausstellung bei Capitain Petzel mit dem Titel Open Secret, beschäftigt sich Andrea Bowers mit verschiedenen Aspekten der Frauenbewegung die im Laufe des vergangenen Jahres zum Tragen gekommen sind. Bowers nahm an den #DisruptJ20-Protesten und dem Women’s March während der Amtseinführung des US Präsidenten am 20. und 21. Januar 2017 in Washington teil. Der Einfluss und die Energie des Women’s March macht sich weiterhin in vielerlei Hinsicht bemerkbar, doch Bowers konzentriert sich in dieser Ausstellung auf die #MeToo- und Time’s-Up-Bewegungen. #MeToo, ein internationaler Zusammenschluss gegen sexuelle Belästigung und Übergriffe, verbreitete sich im Oktober 2017 viral als Hashtag, das in sozialen Medien verwendet wurde, um gegen das weitverbreitete Vorkommen sexueller Übergriffe und Belästigungen, insbesondere am Arbeitsplatz, zu demonstrieren. Er folgte kurz nach der Veröffentlichung sexueller Fehlverhaltensvorwürfe gegen Harvey Weinstein.

 

Die Hauptarbeit der Ausstellung ist Open Secrets (Part One), 2018; sie besteht aus 100 Textarbeiten auf langen Bahnen von Archivpapier, die beide Seiten der 19 Meter langen und 4 Meter hohen zentralen Wand bedecken. Jeder Pigmentdruck enthält Namen und Beruf einer der im Zuge der #MeToo-Bewegung beschuldigten Personen, gefolgt von deren „apologies“ und einer aktuellen Zusammenfassung der Details zu Anschuldigungen, Jobstatus, rechtlichen Schritten und anderen relevanten Details. Einige der Drucke zeigen zudem Fotos, die in Bezug zu dem präsentierten Textmaterial stehen. Bowers hat vor über fünf Monaten angefangen, eine #MeToo- Datenbank mit Namen, Artikeln und Entschuldigungen zusammenzustellen, die bereits auf 355 Einträge angewachsen ist. Diese Ausstellung ist der Beginn eines fortlaufenden Projekts, das sich mit den ersten 100 „apologies/nonapologies“ und Berichten beschäftigt, auf neun verschiedenen roten Hintergründen gedruckt. Die Entschuldigungen wurden in den gleichen Schriftarten gesetzt, die von Twitter, Facebook, den Zeitschriften, Magazinen oder Zeitungen verwendet werden, in denen diese öffentlichen Erklärungen ursprünglich erschienen sind. Zum Lesen dieser Arbeit werden nicht nur aus praktischen Gründen mehrere Bürostühle zur Verfügung gestellt, sondern auch, um auf diese Art auf sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz hinzuweisen.

 

Das Projekt dient sowohl als materieller Beleg für die fortdauernde Existenz des Patriarchats wie auch als Denkmal für den Mut von Opfern, die sich zum ersten Mal in unserer Geschichte gegen sexuelle Belästigung aussprechen und verö entlichen, was immer wieder als ein „offenes Geheimnis“ bezeichnet worden ist. Die Aktivistin Tarana Burke verwendete den Ausdruck „Me Too“ zum ersten Mal 2006, und er verbreitete sich viral, als Alyssa Milano ihn 2017 dazu benutzte Frauen zu ermutigen, das Hashtag zusammen mit ihren persönlichen Erfahrungen von sexueller Belästigung zu veröffentlichen und damit „den Menschen einen Eindruck von der Größenordnung des Problems zu vermitteln“. Viele der Geschichten sexueller Belästigung reichen Jahrzehnte zurück, weil Frauen Angst vor Vergeltung hatten, oder dass ihren Berichten mit Zweifel begegnet werden würde. Ein großformatiger LED-Schriftzug hängt über der Open Secrets Wand und lässt kontinuierlich die Worte „TRUST WOMEN“ in verschiedenen Farben au euchten.

 

Im ersten Stock der Galerie sind eine Reihe leuchtend farbiger Collagen auf Recycling-Karton
zu sehen. Drei der Arbeiten zeigen starke Frauen. Die Bilder stammen aus der Geschichte der politischen Grafik, sind hier aber neu formuliert worden, um zeitgenössische feministische Themen im Zusammenhang mit Intersektionalität und der #MeToo-Bewegung wiederzugeben. Als Anspielung auf eine feministische Armee und als Protest gegen die Waffenpolitik der US- Regierung fertigte Bowers fünf große rosafarbene Sturmgewehre mit Parolen aus den March-for-Our-Lives-Protesten an, die ursprünglich von einer Aktion der Organisation CODEPINK von vor einigen Jahren inspiriert waren.

 

In der unteren Etage der Galerie ist Disrupting and Resisting, J20 & J21 zu sehen, ein eineinhalbstündiges Dokumentarvideo, das die Arbeit zweier Aktivistengruppen würdigt, deren Gründungsgrundsätze sich ähneln. #DisruptJ20 ist ein Kollektiv von Aktivisten, die sich zu einer Serie von Massenprotesten zusammengefunden hatten, um die Zeremonien zur präsidentiellen Amtseinführung am 20. Januar 2017 zu unterbrechen. Die #DisruptJ20- Koalition besteht aus: The Future is Feminist, Movement for Black Lives, Climate Justice, Labor Justice, Queer rights, Racial Justice und Communities Under Attack. Der zweite Teil des Videos wurde am 21. Januar 2017 gedreht und dokumentiert den Women’s March on Washington, der größte eintägige Protest in der US-Geschichte, der sich gegen Donald Trump und seine frauenfeindlichen oder anderweitig anstößigen Positionen und Aussagen richtete. Bowers vereint diese beiden Gruppen und Aktionstage absichtlich, um eine starke und vielfältige Allianz zu zeigen, die gegen die weiße Vorherrschaft, das Patriarchat und die Unterdrückung der Freiheit kämpft.

 

Ziel der Künstlerin ist all diesen verschiedenen Aktivistengruppen, die seit den Protesten rund
um Donald Trumps Amtseinführung entstanden sind, als wichtige Momente des Dissens und des Widerstands in der Unterstützung von Demokratie, Redefreiheit, sozialer Gerechtigkeit und dem Recht auf friedliche Versammlung ein Denkmal zu setzen. Wie der Aktivist namens Future von Black Lives Matter in dem Video festhält: „Koalitionen sind nicht dauerhaft. Manchmal sind sie zerbrechlich und sie sind vorübergehend, aber wir müssen sie dennoch herstellen. In den nächsten vier Jahren müssen wir uns in dieser Bewegung wieder finden.“

 

Andrea Bowers (*1965, Ohio) lebt und arbeitet in Los Angeles. Ihre Werke wurden international ausgestellt, u.a. mit Einzelausstellungen im Hammer Museum, Los Angeles (2017); Contemporary Arts Center, Cincinnati (2017); Bronx Museum, New York (2016); Espace Culturel Louis Vuitton, Paris (2014). Aktuelle Gruppenausstellungen fanden u.a. in der High Line, New York (2018); Schirn Kunsthalle Frankfurt (2018); Documenta 14, Kassel (2017) und der Triennale di Milano, Milan (2017) statt.

 

 

 

 

When comedian/actor Aziz Ansari was accused of sexual harassment on January 14, 2018 by an anonymous 23-year-old woman, the story was met with a mixed response from the media and public, some of whom believed the details of the account to be too consensual to be considered misconduct. Feminist writer Jessica Valenti tweeted, „A lot of men will read that post about Aziz Ansari and see an everyday, reasonable sexual interaction. But part of what women are saying right now is that what the culture considers ‘normal’ sexual encounters are not working for us, and oftentimes harmful.“ In her second solo show at Capitain Petzel titled Open Secret, Andrea Bowers focuses on aspects of the women’s movement over the past year. Bowers participated in the #DisruptJ20 protests and the Women’s March during the presidential inauguration on January 20 and 21, 2017 in Washington D.C. The influence and energy of the Women’s March continues to manifest in many ways, but for this exhibition Bowers focuses on the #MeToo and Times’s Up movements. #MeToo, an international movement against sexual harassment and assault, spread virally in October 2017 following the public revelations of sexual misconduct allegations against Harvey Weinstein.

 

The main work in the show, Open Secrets (Part One), 2018, consists of 100 photographic prints covering both sides of a 19 by 4-meter wall. Each print lists the name and occupation of an accused person in the #MeToo movement, followed by their „apology“ and an up-to-date summary including details of the accusations, job status of the accused, legal actions, and other pertinent details. Some of the prints contain related photos. Bowers started a database of #MeToo names, articles and apologies over 5 months ago that has grown to include 355 names at present. This exhibition is the first of an ongoing project reflecting on 100 „apologies/nonapologies“ and narratives printed in 9 different red backgrounds. The fonts of the apologies are the same used by the original publishing platform, e.g. Twitter, Facebook, journals, magazines and newspapers. Several office chairs are provided for use while attendees read the texts, not only for practicality, but also to reference the nature of sexual harassment as workplace violation.

 

This project serves as both a physical manifestation of patriarchy and a monument to the courage of victims who are speaking out against sexual harassment for the rst time in our history, thereby making public what many repeatedly said were „open secrets“ Activist Tarana Burke first used the phrase „Me Too“ in 2006. It became viral when Alyssa Milano encouraged women in 2017 to post the hashtag along with their personal experiences of sexual harassment as a way to „give people a sense of the magnitude of the problem.“ Many of the stories of sexual harassment span decades because women feared that they would be retaliated against or met with disbelief if they came forward. A large LED sign made of cardboard hangs above the Open Secrets wall and flashes the words, „TRUST WOMEN“ in multiple colored lights.

 

The first floor includes a grouping of works from Bowers’s series of colorful cardboard collages. Three of the works illustrate powerful women. The images originate from the history of
political graphics but have been reworked to represent contemporary feminist issues related to
intersectionality and the #MeToo movement. As a nod to the idea of a feminist army, as well as
a protest against the U.S. government’s gun policies, Bowers made five large pink cardboard assault rifles painted with slogans from the „March for Our Lives“ protests, originally inspired by a CODEPINK action from several years ago.

 

Projected on the lower floor of the gallery is Disrupting and Resisting, J20 & J21, an hour and a
half documentary video that honors the work of two activist groups whose founding principles are similar. #DisruptJ20 is a collective of activists who came together for a series of mass protests to shut down the presidential inauguration ceremonies on January 20, 2017. #DisruptJ20 coalition included: The Future is Feminist, Movement for Black Lives, Climate Justice, Labor Justice, Queer rights, Racial Justice and Communities Under Attack. The second day of video was shot on January 21, 2017 and records the Women’s March on Washington, the largest single-day protest in U.S. history, which was aimed at Donald Trump and his anti-women or otherwise offensive positions and statements. The women-led movement brought together people of all genders, races, cultures, sexual orientations, political a liations, disabilities and backgrounds to affirm a shared humanity and pronounce a bold message of resistance and self-determination. Bowers purposely unites these two groups and days of action to highlight a strong and diverse alliance fighting against white supremacy, patriarchy and the suppression of freedom.

 

It is the artist’s goal to memorialize the different activist groups stemming from the protests around the Trump inauguration as important moments of dissent in support of democracy, freedom of speech, social justice and the right of the people to peaceably assemble. As the activist known as Future of Black Lives Matter is recorded proclaiming in the video, Disrupting and Resisting, J20 & J21, „Coalitions aren’t meant to be permanent. Sometimes they are fragile, and they are temporary, but we have got to build them. This, these next four years, we have got to find each other in this movement.“

 

Andrea Bowers (*1965, Ohio) lives and works in Los Angeles. Her works have been exhibited internationally in solo exhibitions at, among others, The Hammer Museum, Los Angeles (2017); Contemporary Arts Center, Cincinnati (2017); Bronx Museum, New York (2016); Espace Culturel Louis Vuitton, Paris (2014). Among her recent group exhibitions are The High Line, New York (2018); Schirn Kunsthalle Frankfurt (2018); Documenta 14, Kassel (2017) and Triennale di Milano, Milan (2017).


  • Installation view: Andrea Bowers, "Open Secret", June 22 – August 11, 2018 © the Artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Open Secrets (Part I)", 2018, Archival pigment prints, 100 prints, dimensions variable, each: width 61 cm / 24 inches, various lenghts, wall installation: 4 x 18 x 0,5 m / 13 x 62 x 1.6 feet, Production, Writing, Editing, Graphic Design, Printing: Angel Alvarado, Kate Alexandrite, Ian Trout, David Burch, Miriam Katz, Ryan Beal © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Trust Women", 2018, Cardboard and color changing LED lights, acrylic gel medium, 102 x 249 x 16 cm / 40 x 98 x 6 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "No Walls No Glass Ceiling (Originally a Celebratory Poster for the Liberation of France during World War II, illustrated by Philippe Grach, 1944)", 2018, Acrylic marker on cardboard, 190.5 x 132 x 13 cm / 75 x 52 x 5 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Resist (Illustration Designed by Suffrage Atelier, London, 1909)", 2017, Acrylic marker on cardboard, 137.2 x 101.6 x 14 cm / 54 x 40 x 5.5 inches © the artist, photo: Jeff McClane
  • Installation view: Andrea Bowers, "Open Secret", June 22 – August 11, 2018 © the Artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Property of No One (Originally a Promotional Poster for "The Weekly Suffragette" Newspaper, Illustrated by Mary Bartels, 1912)", 2018, Acrylic marker on cardboard, 126 x 92 x 12 cm / 49 x 36 x 4.7 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Open Secrets (Part I)", 2018, Archival pigment prints, each: width 61 cm / 24 inches, various lenghts, Production, Writing, Editing, Graphic Design, Printing: Angel Alvarado, Kate Alexandrite, Ian Trout, David Burch, Miriam Katz, Ryan Beal © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Open Secrets (Part I)", 2018, Archival pigment prints, each: width 61 cm / 24 inches, various lenghts, Production, Writing, Editing, Graphic Design, Printing: Angel Alvarado, Kate Alexandrite, Ian Trout, David Burch, Miriam Katz, Ryan Beal © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Installation view: Andrea Bowers, "Open Secret", June 22 – August 11, 2018 © the Artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "I'm a Teacher, Not a Sharpshooter: Ode to CODEPINK (Parkland)", 2018, Cardboard, acrylic paint, 50 x 150 x 5.5 cm / 20 x 59 x 2 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Protect Kids, Not Guns: Ode to CODEPINK (Newtown)", 2018 Cardboard, acrylic paint, 50 x 150 x 5.5 cm / 20 x 59 x 2 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Books Not Bullets: Ode to CODEPINK (Santa Barbara)", 2018, Cardboard, acrylic paint, 50 x 150 x 5.5 cm / 20 x 59 x 2 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Arms are for Hugging: Ode to CODEPINK (Santa Fe)", 2018 Cardboard, acrylic paint, 50 x 150 x 5.5 cm / 20 x 59 x 2 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Andrea Bowers, "Disarm Hate: Ode to CODEPINK (Benton)", 2018, Cardboard, acrylic paint, 50 x 150 x 5.5 cm / 20 x 59 x 2 inches © the artist, photo: Jens Ziehe
  • Installation view of Andrea Bowers, "Disrupting and Resisting, J20 & J21, 2017", 2018, Single channel HD video (color, sound), Editor: Lindsay Moffat, 89:23 minutes
  • Installation view: Andrea Bowers, "Open Secret", June 22 – August 11, 2018 © the Artist, photo: Jens Ziehe
  • Installation view: Andrea Bowers, "Open Secret", June 22 – August 11, 2018 © the Artist, photo: Jens Ziehe
  • Installation view: Andrea Bowers, "Open Secret", June 22 – August 11, 2018 © the Artist, photo: Jens Ziehe




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